
Mehrere Jahre ist es her, als ich der Juso-Hochschulgruppe beitrat. Morgens hatte ich meine erste Klausur an der Uni geschrieben und den Rest des Tages mit Kommilitonen in verschiedenen Kneipen verbracht. Viele Diskussionen hatte ich über die um sich greifende Studienreform und die drohende Einführung von Studiengebühren, gegen die ich schon vor meinem Studium fleißig protestiert hatte, geführt. Im Laufe des Tages hatte es sich für mich abgezeichnet, daß man eigentlich mehr tun müßte als ab und an seinem Unmut auf der Straße Luft zu machen. Als ich das artikulierte geriet ich an jemanden, der sich bereits in der Hochschulgruppe engagierte und mich einlud doch einmal vorbeizuschauen. Man könne ohne weiteres mitmachen ohne in der SPD oder bei den Jusos zu sein. Ich sagte sofort zu, denn ich konnte mich mit den Zielen der Hochschulgruppe identifizieren und sie paßte zu meinen politischen Überzeugungen. Aber es dauerte noch einige Monate bis ich mich tatsächlich dazu durchrang. Ich dachte Hochschulgruppen seien abgeschlossene Zirkel von Parteisoldaten, wo ich mich wie ein Fremdkörper fühlen würde. Irgendwann ging ich schließlich doch hin und merkte, daß ich mich geirrt hatte.
Auch wenn am Anfang viele Diskussionen und vor allem die genaue Gremienstruktur unserer Universität und der verfaßten Studierendenschaft fremd für mich waren, fand ich schnell hinein und sah Wege mich einzubringen. So war ich erst AStA-Referent für Studienbedingungen, dann für Hochschulpolitik. Anderthalb Jahre war ich Sprecher der Juso-HSG und vertrat sie nach außen und koordinierte sie nach innen. Einige Legislaturperioden war ich Mitglied des Studierendenparlamentes, mehrere Semester gehörte ich dem Fachbereichsrat Gesellschaftswissenschaften an und schließlich wurde ich für die gemeinsame Liste von Jusos und attac in den Senat unserer Uni gewählt. In all diesen Ämtern war es mir stets wichtig für ein humanistisches Bildungsideal und eine soziale Gerechtigkeit einzutreten und zu zeigen, daß weder Humboldt noch Marx in den Papierkorb, sondern ins Bewußtsein der Handelnden gehören. Das waren die Maßstäbe nach denen ich mich in meinen Entscheidungen und in meinem Handeln richtete, sei es bei meiner Mitarbeit in der Studienordnungskommission des Senats, in der alle Studienordnungen der Uni bearbeitet und vorbesprochen werden, sei es bei den Bolognawerkstätten und der darauffolgenden Überarbeitung der Allgemeinen Bestimmungen für modulare Studiengänge, durch die beispielsweise die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen oder die Mastereingangsnote von 2,5 abgeschafft wurde, oder bei vielen anderen Projekten.
Im Engagement in der Gruppe konnte ich das tun, wofür man eigentlich an einer Universität studiert. Ich konnte mich bilden und das nicht im modernistisch verengten Sinne der Wissensakkumulation. Meine Persönlichkeit ist daran gewachsen. Deswegen, wegen der Freude, die sich einstellt, wenn ich auf Erreichtes zurückblicke und wegen der vielen interessanten Menschen, die ich während meines Engagements kennenlernen durfte, bereue ich keine Minute, die ich darin investiert habe.








